Modekleidung

 

Während sich die Arbeitskleidung über mehrere Jahrhunderte kaum verändert hat, unterlag die Repräsentationskleidung des Adels einer immer kurzlebigeren Mode, die sich hauptsächlich an den Kleidungsschnitten in Frankreich und Byzanz orientierte. 


Im Frühmittelalter waren die Trachten häufig mit kostbaren Brettchenborten versehen, die Halsausschnitt, Rock- und Ärmelsäume und die Ärmel im Oberarmbereich verzierten.


Im Hochmittelalter wurden die Oberarmborten unmodern. Dafür nahm die verarbeitete Stoffmenge zu: Die Kleider wurden länger und die Schnitte, besonders für die Frauentrachten, körperbetonter und komplizierter, wodurch ein größerer Verschnitt in Kauf genommen werden mußte. 
Oft wurde die Oberbekleidung aus kostbaren, importierten Stoffen, wie Damast, golddurchwirkten Brokate und Seide, gefertigt und mit kontrastfarbiger Seide gefüttert. Auch edle Pelzbesätze an den Säumen wurden gern verwendet. 


Im 11./12. Jahrhundert kamen Hängeärmel in Mode, die bis zum Boden reichen konnten. Die überbodenlangen und mit Schleppen versehenen Kleider der Frauen waren im Oberkörperbereich eng geschnitten und seitlich geschnürt. Durch ab der Hüfte eingesetzte Geren erreichte man eine enorme Saumweite, die teilweise bis zu 6 Metern betragen konnte. Die Haare wurden von einem sehr fein gewebten Schleier bedeckt, der mit kostbaren Haarnadeln aus Elfenbein, Bronze oder Gold festgesteckt wurde. Auch die Oberkleidung der Männer war nun etwa wadenlang und vielfach vorne und hinten mit einem Reitschlitz versehen. 

Ab dem 13. Jahrhundert wurde die Kleidung wieder schlichter, wenn auch nicht weniger kostbar. Durch reichliche Überlänge der Kleider stellte man hier ebenso seinen Reichtum zur Schau wie durch feinste Schleier und prachtvoll beschlagene Gürtel. Um diese Zeit entwickelte sich als Kopfbedeckung für die Damen das Gebende, welches das Kinn umschloß und häufig mit einem Stirnreif und/oder Schleiertuch getragen wurde. Der Radmantel wurde häufig mit einer Tasselgarnitur geschlossen. Diese bestand aus zwei broschenartigen Metallfibeln, die durch ein Band oder eine Kette verbunden sind. 

Bildquellen (Achtung: Die Bilder sind alle hochauflösend und bis zu 1,5 MB groß!)

Erhaltene Kleidungsstücke:

1. Die blaue Tunicella (Dalmatika) aus dem Krönungornat des Hl. Römischen Reiches. Entstanden in der 1. Hälfte des 12. Jh. in der königlichen Hofwerkstatt in Palermo, indigogefärbter Samit, Goldstickerei, Zellenschmelz, Goldfiligran, Perlen. 141,5 cm lang, am Saum 171,5 cm breit. (Weltliche Schatzkammer, Kunsthistorisches Museum Wien)

2. Handschuhe und Schuhe aus dem Krönungsornat des Hl. Römischen Reiches. Handschuhe entstanden in Palermo vor 1220. Roter Samit, Goldstickerei, Goldapplikationen mit Zellenschmelz, Perlen, Rubine, Saphire, Amethyste, Granate, Spinelle, Korunde. 26,3 bzw. 27,7 cm lang, an der Öffnung 12 cm breit. Schuhe im 17. Jahrhundert umgearbeitet, nur der Schaft stammt aus dem 13. Jahrhundert, entstanden in Palermo. Verzierungen wie Handschuhe. Weltliche Schatzkammer, Kunsthistorisches Museum Wien. 

3. Sog. Büßergewand der Hl. Klara von Assisi. Entstanden in der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts. Naturbraune und -weiße Wolle in vierschäftiger 2:2 Köperbindung. Ansicht mit Seilgürtel. Vorder- und Rückansicht hängend. Vorderansicht liegend. Rückansicht liegend. Schnittmuster. Kloster Santa Chiara, Assisi. 

Zeitgenössische Skulpturen:

4. Sog. "Bamberger Reiter", lebensgroße Statue im Bamberger Dom, entstanden um 1230, vermutlich König Stephan von Ungarn darstellend. Detail des Reiters.

5. Darstellung der Synagoge am Fürstenportal des Bamberger Doms, entstanden 1224/1225. 

6. Darstellung der Ecclesia am Fürstenportal des Bamberger Doms, entstanden 1224/1225.

7. Kaiser Heinrich II. und seine Frau, die Hl. Kunigunde. Adamsportal des Bamberger Doms, entstanden um oder kurz nach 1225. 

Bildnachweise: 
1,2: Kunsthistorisches Museum Wien - Die Schatzkammer / Manfred Leithe-Jasper und Rudolf Distelberger. - München: Verlag C.H. Beck, 1998 ISBN 3- 406- 42937-8
3: Die Zeit der Staufer, Ausstellungskatalog, Stuttgart 1979, Bd. V
4-6: Der Bamberger Dom : eine Kathedrale erleben / Christine Freise-Wonka. - Bamberg: Heinrichs-Verl., 2002 ISBN 3-89889-035-X
7: Eigene Aufnahme

© Stephanie Kleine-Beck & Claus Winhard